250 Jahre Caspar David Friedrich

Großes Kooperationsprojekt von Hamburger Kunsthalle, Hauptkirche St. Michaelis, WALLS CAN DANCE und WALLS OF VISION in Hamburg

Anlässlich des 250. Geburtstags von Caspar David Friedrich hat der australische Fassadenkünstler Fintan Magee im Hamburger Portugiesenviertel eine knapp 200 m² große Neuinterpretation des berühmten Gemäldes „Wanderer über dem Nebelmeer“ (um 1817) geschaffen, dessen Original Teil der Sammlung der Hamburger Kunsthalle ist. Gemeinsam umgesetzt wurde das Projekt von der Dr. Hans Riegel-Stiftung und Walls Can Dance, Norddeutschlands größter Freiraumgalerie für Urban Art, in enger Kooperation mit der Hamburger Kunsthalle und der Hauptkirche St. Michaelis.

Caspar David Friedrich (*1774 Greifswald– 1840 Dresden) gilt als der bedeutendste Künstler der deutschen Romantikepoche. Ein Mural zu seinem 250. Geburtstag ist eine große Herausforderung, die Fintan Magee – gegen alle Hamburger Wetterkapriolen – mit Bravour gemeistert hat.

Fintan Magee ist ein in Sydney ansässiger sozialrealistischer Maler, der sich auf großformatige Wandgemälde spezialisiert hat. Er wurde 1985 in Lismore, New South Wales, als Sohn einer Architektin und eines Bildhauers geboren und begann schon in jungen Jahren mit dem Zeichnen. Seine früheren großformatigen Gemälde befanden sich oft in isolierten, verlassenen und kaputten Ecken der Stadt und sind heute auf der ganzen Welt zu finden.

Seine figurativen Gemälde basieren auf persönlichen Erfahrungen und dem Alltäglichen und sind tief in die städtische Umgebung integriert. Sie beschäftigen sich mit Themen wie Vielfalt, Migration und Übergang, Verschwendung und Konsum, Verlust und Umwelt. Seine Werke strahlen eine inhärente Sentimentalität und Sanftheit aus, die von Kinderbüchern und der Low Brow-Kunstbewegung beeinflusst sind.

„Es ist eine besondere Ehre für uns, im Kreis solch renommierter Institutionen einen Beitrag zum 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich leisten zu dürfen. 2019 ist WALLS OF VISION mit einer Interpretation des Wanderers in Köln gestartet. Dass wir nun mit der Hamburger Kunsthalle, der Hauptkirche St. Michaelis und Walls Can Dance dem Wanderer eine weitere Neuinterpretation widmen dürfen, erfüllt uns mit Freude und Stolz“, so Marco Alfter, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Dr. Hans Riegel-Stiftung.

Der Geburtstag Caspar David Friedrichs ist auch Anlass für das umfangreichste Panorama seiner Kunst seit vielen Jahren: Vom 15. Dezember 2023 bis 1. April 2024 präsentiert die Hamburger Kunsthalle rund 70 seiner Gemälde, darunter zahlreiche ikonische Schlüsselwerke und rund 100 Zeichnungen.

Der ausdrückliche Dank aller Projektbeteiligten gilt der Schiffszimmerer-Genossenschaft, die als Gebäudeeigentümerin die Fassade für das Kunstwerk zur Verfügung gestellt hat.

Fintan Magee über sein Kunstwerk: 

„Für meine Arbeit habe ich beschlossen, die Idee des Wanderers auf eine andere Art und Weise anzugehen. Caspar David Friedrich und ich haben einen ganz anderen Zugang zur Kunst. Während er und andere Romantiker nach der Natur malten, schufen sie Studien im Freien und brachten ihre Gemälde dann hinein in ihre Ateliers und in ihre Galerien. Für mich fühlt sich Caspar David Friedrichs Ansatz wie eine offensichtliche Reaktion und Herangehensweise an die Malerei in einer Zeit an, in der die industrielle Revolution rasant zunahm. Die Romantiker stellten die durch die Industrialisierung verursachte Urbanisierung und Umweltverschmutzung in Frage und forderten ihre Betrachter auf, zur Natur zurückzukehren, um unsere menschliche Verbindung zur Natur nicht zu vergessen.

Meine Arbeit ist das Gegenteil. In meinen Gemälden geht es vor allem um eine Auseinandersetzung mit der Architektur und der städtischen Umgebung. In meinem Prozess beginne ich mit der Arbeit im Inneren. Meine Arbeit beschäftigt sich mit Themen wie sozialer Isolation und der Menschlichkeit innerhalb des Gebäudes. Dann bringe ich meine Bilder nach draußen. Während Friedrich das Leben von draußen in die Galerie holte, bringe ich das Leben von innen nach außen in die städtische Umgebung. Unser Prozess ist im Wesentlichen das Gegenteil. Ich mache das, weil ich Kunst zu einem Teil des Alltags der Menschen machen möchte.

Friedrich glaubte, dass Schönheit in der Natur liegt. Ich glaube, dass sie auch in uns selbst liegt und von uns in jeder Umgebung geschaffen werden kann. Denn bei meiner Arbeit geht es mehr um meine persönliche Beziehung zu Friedrichs Werk. Ich habe eine Szene gemalt, in der ich durch das Glasfenster meines Ateliers in den Flur meines Gebäudes blickte. Auf dem Regal drinnen stehen meine Werkzeuge, auf dem Sims draußen stehen meine Topfpflanzen, auf der anderen Seite des Flurs hängt sein Druck an unserer Flurwand. Unser Studio befindet sich in einer alten Ford-Autofabrik in Sydney, daher erinnert der Standort daran, dass das Leben auch in den alten Fabriken zu finden ist. Und unsere Verbindung zur Natur und zur Kunst geschieht im Laufe der Zeit auf unterschiedliche Weise.

Die Arbeit zeigt, wie Künstler sich im Laufe der Zeit und durch unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven und Bedingungen gegenseitig inspirieren.“

 

Impressionen

Projektpartner: 

- Hamburger Kunsthalle 

- WALLS CAN DANCE 

- Hauptkirche St. Michaelis